Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker wurde von 1924 bis 1926 errichtet. Der Bau, von der damaligen Kritik als "vorbildliche Leistung" und "hervorragendes Beispiel einer neuen Architektur" gerühmt, ist ein glänzender Beweis für die wesentliche Rolle, die Gewerkschaften als bewußte Förderer der Architektur-Avantgarde in der Weimarer Republik inne hatten.
1920 hatte der Verband der Buchdrucker beschlossen alle zentralen Einrichtungen und Aktivitäten des Verbandes an einem Ort und in einem Haus unterzubringen. Diese umfaßten damals den Sitz des Vorstands, alle Redaktionen des Verbands, die Publikationen der Sparten, den "Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker", die vom Verband gegründete "Büchergilde Gutenberg" sowie die verbandseigenen Buchdruckwerkstätten.
Im Sommer 1924 wurde das Grundstück in der damaligen Dreibundstrasse 5 gekauft. Die Architekten Max Taut und Franz Hoffmann bekamen den Auftrag, die Pläne für das zukünftige Haus zu entwerfen. Die Mittel für das Grundstück und den Hausbau kamen ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. Für diesen Zweck wurden eine Beitragserhöhung und Extrazahlungen beschlossen.
Max Taut (1884-1967) war wie sein Bruder Bruno Mitglied im "Kreis der Zehn", ein Zusammenschluß von so angesehenen Architekten wie Mies van der Rohe, Walter Gropius und Erich Mendelsohn. Alle waren Vertreter der „Neuen Sachlichkeit". Franz Hoffmann (1884-1951) arbeitete mit beiden Brüdern Taut zusammen und war bei vielen ihrer Projekte der kongeniale Bauleiter, Organisator und Aquisiteur.
Rudolf Belling (1886–1972) war 1918 Mitbegründer der Künstlervereinigung "Novembergruppe", die für ein grundlegend neues Verhältnis zwischen Künstler, Staat und Gesellschaft eintrat. Er galt wie Max Taut als Meister der Neuen Sachlichkeit und zählte in der Weimarer Republik international zu den renomiertesten deutschen Bildhauern. Die plastische Ausgestaltung im Verbandshaus der Buchdrucker – das in die Wand eingelassene Buchdruckerwappen, ein Trinkbrunnen vor dem Sitzungssaal, und die Büste von Richard Härtel, einem der Verbandsgründer – war sein Werk. Von den Nazis als „entartet" gebrandmarkt, wurden fast alle seiner Arbeiten zerstört, auch die im Buchdruckerhaus. Lediglich die Büste Richard Härtels konnte, im Haus versteckt, vor den Nazis gerettet werden.
Das Publikations- und Bildungszentrum
Das Haus war die Publikationszentrale des
Buchdruckerverbandes. Der „Korrespondent", die zentrale Zeitung des Verbandes erschien zweimal wöchentlich mit einer Auflage von 60 Tausend. Der "Jungbuchdrucker" erschien gleichfalls zweimal wöchentlich mit einer Auflage von 10 Tausend.
Daneben gab es kontinuierliche Beilagen für Betriebsrätepraxis, Sozialpolitik und Bürgerliches Recht.
Die Sparten des Verbandes gaben periodische Publikationen für Setzer, Korrektoren, Drucker, Stereotypeure und Galvanoplastiker heraus.
Die Büchergilde Gutenberg, gleichfalls ein Kind des Buchdruckerverbands, begann in dem modernen Gebäude mit einer avantgardistischen Buchproduktion. Junge Grafiker und erfahrene Gestalter entwickelten hier eine neue Buchkunst und setzten mit Gestaltungen im Sinne der Neuen Sachlichkeit Maßstäbe weit über die Grenzen der Büchergilde hinaus.
Die Druckwerkstätten beschäftigten rund 100 Personen. Sie verfügten über eine vorbildliche Lehrwerkstatt, und galten von den Räumlichkeiten und den sozialen Einrichtungen her als Musterbetrieb. Dabei war der Betrieb mit laufenden Umsatzsteigerungen auch wirtschaftlich erfolgreich.
Der Bildungsverband hatte 23 Tausend Mitglieder und beschäftigte im Buchdruckerhaus 36 Personen. Er gab monatlich die „Typographischen Mitteilungen" und „Der Graphische Betrieb" heraus und leistete mit Literatur, Diavorträgen, Filmen und der Einrichtung einer Lichtbildstelle einen umfangreichen Beitrag zur Lehrlingsausbildung und Erwachsenenqualifizierung. Im Erdgeschoß richtete er den „Buchgewerbesaal" ein, um mit wechselnden Ausstellungen „der Kollegenschaft ständig zur Anschauung, Belehrung und Fortbildung zu dienen".
Die Eroberung der Macht durch die Nazis im Januar 1933 und die Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933, bedeuteten das Ende der freien Gewerkschaften in Deutschland. Das Vermögen auch des Buchdruckerverbandes wurde beschlagnahmt, seine Einrichtungen zerschlagen oder inhaltlich völlig gewendet, Kollegen entlassen, verhaftet und umgebracht.
Seit Kriegsende ist das Haus wieder ununterbrochen in Gewerkschaftsbesitz, erst bei der IG Druck und Papier, seit 1989 bei der IG Medien und heute in ver.di. Dank weitreichender Investitionen zur Erhaltung und Instandsetzung einerseits und dank seiner Offenheit für Gewerkschaftsmitglieder und ihre Freunde andererseits, präsentiert sich das Haus der Buchdrucker heute als sowohl traditionsreiches wie äußerst lebendiges und zukunftsorientiertes Gewerkschaftshaus.